Früher waren die Medien die 4. Macht im Staate, das Korrektiv, wenn Regierung und Opposition sich allzu einig in der Ausgrenzung der Wählerschaft sind. Doch von daher droht immer seltener Gefahr: Fest angestellt ist bei einer Zeitung nur noch der Hausmeister, die schreibende Zunft muß sich immer öfter als freier Mitarbeiter oder “Pauschalist” von Auftrag zu Auftrag hangeln — da ist Zeit Geld. Und da bleibt eben keine Zeit für stundenlange Recherche, Aufdecken von Zusammenhängen, eine kostspielige Dienstreise. “Chefredakteure” achten berufsfremd weniger auf Qualität als auf kurzfristigen Profit. Dazu kommen geltungssüchtige “Leserreporter” u. a., die Textmasse “für lau” anbieten.

Da fragt man sich schon, wie die Gehälter im Tarifvertrag für Journalisten zustande gekommen sind. Gibt es jemanden, der korrekt danach bezahlt wird — oft liegt das Gehalt deutlich darunter, fehlen Zulagen usw. Am Ende ist man froh, wenn man trotz Studium, Zusatzausbildung, mehr als 10 Jahren Berufserfahrung und Nacht- und Sonntagsdienst am Monatsende auf seine Kosten kommt. — Da freut es einen doch zu lesen, wie großzügig man beim ZDF sein kann: 600.000 Euro Jahresgage für Claus Kleber — das sind monatlich 50.000 Euro. Da werden sogar Heuschrecken neidisch und für viele Journalisten ist dies deutlich mehr als ein Jahresgehalt…

Auszug aus dem Gehaltstarifvertrag für Redakteure bei Zeitschriften (gültig 1.6.2006 bis 31.7.2008)

Auszug aus dem Gehaltstarifvertrag für Redakteure bei Zeitschriften (gültig 1.6.2006 bis 31.7.2008)

Nein, es ist nicht nur Gejammer, wie man für viel Ausbildung und noch mehr Arbeit immer schlechter bezahlt wird. Dazu droht vielen Blättern sogar die Schließung. Am Ende verliert auch der Leser bzw. Zuschauer, wenn in der Zeitung nur noch weichgespülte Pressetexte von PR-Beauftragten und belanglose Vereinsnachrichten von “Pressewarten” publiziert werden. — Und wenn jetzt immer weniger von Mauscheleien zu hören ist, darf man nicht Ursache mit Wirkung verwechseln.