Martin Zurmühle: Die große Fotoschule -- Digitale Fotografie. (Bild: Data Becker)Da sieht man mal wieder, was ein gutes Titelbild wert ist: “DPL Die große Fotoschule Digitale Fotografie” lockt mit einem tollen Foto und verspricht:

Praxisnahe Anleitungen, Bildkritiken und Analysen helfen Ihnen, mit Ihrer Kamera jederzeit Top-Ergebnisse zu erzielen. # Bildgestaltungstipps für 1A-Ergebnisse # Bildanalysen und -kritiken an qualitativ hochwertigem Beispielmaterial # Technische Grundlagen für bessere Fotos.
Von der Kameratechnik bis hin zur Bildgestaltung: Die große digitale Fotoschule zeigt Ihnen mit zahlreichen, teilweise sogar ausgezeichneten Beispielen und verständlichen Praxis-Anleitungen, wie Sie ganz einfach selbst eindrucksvolle Digitalfotos machen, die Sie sonst nur von Bildbänden, Kalendern & Co. kennen! (Quelle: Produktbeschreibung auf der Data-Becker-Homepage)

Mein erster Eindruck: Muß jedes Buch zu (digitaler) Fotografie bei Adam und Eva anfangen? Die Kapitel 1 bis 8 befassen sich mit Pixeln, der “richtigen” Kamera, Autofokus und Spezialobjektiven, Belichtungszeit sowie “EXIF und andere Rätsel” (ca. 150 Seiten). Viele der folgenden 17 Kapitel haben setzen beim Fotomotiv an und geben durchaus nützliche Ratschläge. Nett auch die Idee, einige Bilder anhand von “Sichtlinien” zu erläutern. Trotzdem scheint mir eine Abarbeitung der Themen auf mehr als 400 Seiten eher ermüdend. Und es stellt sich die Frage: Will man nun den Anfänger bei Wissensstand “Null” abholen oder Fortgeschrittenen professionelles Foto-Knowhow nahebringen?

Viele der ein Kapitel einleitenden Bilder sind beeindruckend — im Text folgt dafür viel Gestückele. Bild-Beispiele: Zu viel des Guten...Zwar sollte ein Fotobuch viele Fotos enthalten, aber gerade bei einem Buch erfordern die Platzverkältnisse Fingerspitzengefühl hinsichtlich Größe und Plazierung — was hier m. E. nicht gelingt.Beispielseite aus der Fotoschule

Bild-Beispiele: Zusammen gehörende Bilder werden überlappend und unterschiedlicher Größe abgebildet, dafür andere unpassend und insgesamt zu viele pro Seite…

Nervig auch, daß der Autor sich als Akt- und Modelfotograf profilieren möchte, sich dabei aber nicht auf das Kapitel 15 “Aktfotografie” beschränkt. Obwohl auf dem Titel nur ein Autor genannt wird, haben sich lt. Anhang (ab S. 420) noch 14 weitere Fotografen an diesem Buch beteiligt. — Wer noch kein einziges Fotobuch besitzt bzw. aus einer Bücherei geliehen hat, kann in der “Fotoschule” kapitelweise schmökern und sich inspirieren lassen. Ob man dafür bereit ist rd. 30 Euro auszugeben, ist wie immer Ansichtssache. Mir scheint das Geld in ein Sonderheft (mit Software zur Digitalfotografie) oder ein Büchlein der “Snapshot“- oder “Docma “-Reihe zumindest für fortgeschrittene Hobbyfotografen besser investiert.

PS: Das Titelbild stammt nicht vom Buchautoren, sondern einem der Co-Fotografen…